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Ein Streifzug durch (nicht nur) zwanzig Jahre Conne Island (Diashow)

1989/90 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 |
      2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 |

1989/90



"Das Conne Island ist ein Kind der Entwicklungen um die Leipziger Gegenkulturbewegung Ende der achtziger Jahre". Das kirchliche Gemeindezentrum Mockauer Keller ermöglicht Hardcorekids, WaverInnen, PopperInnen, Skins, HipHopperInnen und SkaterInnen gemeinsam mit den Leuten der Jungen Gemeinde Treffen in oppositionellem Rahmen. Neben den Aktivitäten zu den Montagsdemonstrationen im Herbst '89 werden erste Antifa-Aktionen und Konzerte veranstaltet.
Mit dem Umschlagen der Montagsdemoparolen von "Wir sind das Volk" in "Wir sind ein Volk" im wird deutlich, dass sich die Hoffnung auf Reformierbarkeit der DDR nicht erfüllen wird. Das Gefühl, man könne die Welt verändern, weicht zunehmend der Ernüchterung. Aus einer ohnmächtigen Erwiderung heraus entsteht die so genannte "REAKTIONSgruppe".

Die lose Vorbereitungsgruppe beginnt, die ehemaligen Kulturhäuser für ihre Veranstaltungen zu nutzen. Die Konzerte finden in der naTo, im "Anker", im Grafikkeller der HGB, in der Stewa und im Eiskeller statt. Bands wie Spermbirds, Messer Banzani, Disaster Area usw. spielen vor hunderten begeisterten ZuschauerInnen. Ein Konzert kostet 8 Mark, die Getränke sind billig und die Atmosphäre eine besondere. Wofür das Geld verwendet wird, steht im Eintrittsheft.

1990/91 nehmen die Konfrontationen mit Faschos auf der Straße immer heftigere Ausmaße an. Permanent werden Leute zusammengeschlagen, Wohnungen und besetzte Häuser überfallen. Die Leipziger Szene verlagert sich nach Connewitz. "Faschoalarm" und die Abwehr der Naziangriffe gehen in die alltäglichen Lebensgewohnheiten über.

Siehe auch:
15jahre.conne-island.de/broschuere/03.html
20jahre.conne-island.de/dokumente.htm
conne-island.de/nf/78/10.html
conne-island.de/nf/58/24.html

1991

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Anfang 1991 verbreitet sich das Gerücht, das Kulturhaus Eiskeller, bislang in städtischem Besitz, solle verkauft werden und eine Großraumdisko entstehen. Am 4. März zieht die Reaktionscrew mit vielen SympathisantInnen ins Rathaus. Mit Nachdruck wird die selbstverwaltete Nutzung eines festen Objektes eingefordert.
Der Plan geht auf. Vor dem Hintergrund der Umwandlung alter DDR-Kultureinrichtungen in soziokulturelle Zentren freier Trägerschaft erhält die Gruppe den Zuschlag für den Eiskeller.
Dass auf das Gelände ein Restitutionsanspruch der Jewish Claims Conference besteht, wird nur insoweit wahrgenommen, als sich um den zukünftigen Bestand gesorgt wird. Was Ausgangspunkt für die notwendige Diskussion um die Verantwortung einer Linken in Post-NS-Deutschland hätte werden können, wird bis 1999 beharrlich ignoriert und auch heute nicht als Basis für die Ladenpolitik miteinbezogen. Der Eiskeller wird auf den Namen "Conne Island" getauft.

Auf den Vertrag folgen interne Zwistigkeiten. Die Diskussion um die Selbstverortung eskaliert am Punkt ihrer Umsetzung. Vorwürfe um die angebliche Veruntreuung von Konzerteinnahmen schaffen das Übrige. Die "Reaktionsgruppe" wird aufgelöst. Die vorrangig politisch eingestellten Leute verlassen das Projekt, die so genannte Kulturfraktion bleibt am Laden. Das Gelände wird mit dem nötigen Pragmatismus entrümpelt und bauliche Maßnahmen vorgenommen.

Jetzt kann auf dem eigenen Gelände die ganze Woche veranstaltet werden, wozu man lustig ist. HC-Konzerte dominieren, Bands wie Gorilla Biscuits oder Slapshot wirken identitätsstiftend. Doch Hardcore bleibt nicht der einzige Bezug, den sich das Conne Island schafft. Erinnert sei an die Wave-Veranstaltungen, erste Ska-Konzerte oder die Tekkno- und HipHop-Events, veranstaltet vom Leipziger Musikfanzine Persona non grata.

1992

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Unter dem Eindruck von Pogromen wie in Hoyerswerda, der Bedrohung durch Nazis in Leipzig und der taktierenden Haltung der Stadt wird zu einer bundesweiten Antifademo aufgerufen. Die 2.500 TeilnehmerInnen werden auf dem Bayerischen Platz von Sondereinheiten der Polizei angegriffen. Konzerte von Born Against und Articles of Faith können zu dieser Zeit den Ansatz "Hardcore is more than music" noch glaubhaft vermitteln...

Die Pogrome in Rostock-Lichtenhagen und Mölln stehen für das Erstarkens der bundesweiten Naziszene und werden von der Bevölkerung mit brennenden Kerzen quittiert. Den Nazis bescheren sie Publicity und einen Motivationsschub. Es mehren sich Übergriffe und Veranstaltungen der entstehenden freien Kameradschaften. Ab Ende 1992 trauen sich Kameraden, aufgrund des Zusammenrückens der Connewitzer Szene, nur noch vereinzelt ins Viertel. Eine Sensibilisierung für die Tragweite der gesamtgesellschaftlichen Rechtsentwicklung bleibt jedoch aus.

Dagegen bleibt die so genannte "linksextremistische Gefahr" Feindbild Nr. 1 bei den Verantwortlichen in Stadt und Land. Die Krawalle vom 27./28. November 1992 in Connewitz werden durch den unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei gegenüber der HausbesetzerInnenszene ausgelöst. Die so genannte "Leipziger Linie" wird von OBM Hinrich Lehmann Grube formuliert. Fortan sind neue Hausbesetzungen kategorisch ausgeschlossen.
Die Ermordung Thümis am 23. Dezember 1992 markiert den tragischen Höhepunkt des Jahres. Als Leute aufgrund eines vermeintlichen Faschoangriffs in die Leopoldstrasse eilen, werden sie nicht von Nazis, sondern von Möchtegern-Rambos mit einem Schnellfeuergewehr empfangen. Die danach einsetzende Szenediskussion ist Auslöser für den vorläufigen Bruch des Ladens mit der Connewitzer Szene. In Zukunft beäugen sich große Teile im Kiez und das Conne Island kritisch bis ablehnend.

1993

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CDU und FDP reagieren auf die Ereignisse von Rostock und Mölln mit der Forderung nach der Abschaffung des Asylrechts. SPD und Grüne verhelfen zur parlamentarischen Zwei-Drittel-Mehrheit für die Abschaffung des Rechts auf Asyl. Als Antwort wird im Westen die Kampagne "Etwas Besseres als die Nation" organisiert. Die so genannten "Wohlfahrtsausschüsse" versuchen sich an der Verbindung von Kultur und Politik. Sie touren durch die Republik, um neben Leipzig auch in anderen Städten Verbündete gegen das neue Deutschland zu finden. Blumfeld, Die Absoluten Beginner und Die Sterne sind zu hören. Beiderseitiges Misstrauen in den Diskussionen bleibt dennoch nicht aus.
In Leipzig entsteht eine neue Antifabewegung, das Offene Antifaschistische Plenum wird gegründet und siedelt sich im Conne Island an.

Weitere Häuser, u.a. die "Ernestiestraße", werden vorerst ersatzlos geräumt. Die Einrichtung eines Ausweichprojektes - die spätere Braustraße - lässt vier Jahre auf sich warten. Auf dem Marktplatz findet eine Betroffenheitsveranstaltung gegen die rechte Pogromwelle unter dem Motto "Gewalt ätzt" statt. Die damalige Gegenparole "Gewalt fetzt - wenn damit Menschen geschützt werden" liegt auf der Hand, stößt jedoch sowohl in der Bevölkerung als auch in der Teilen der Szene auf Unverständnis.

Der Betrieb im Eiskeller stagniert. Neue Leute werden gezielt geworben. Viele, die bereits zum Umfeld zählten, lassen die neue Generation am Laden entstehen. 1993 findet mit Cock Sparrer das erste Oi-Konzert statt. Mit ihm soll der Kontakt zu Leipziger Skinheads wieder hergestellt werden.

1994

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Im Mai 1994 spielt Biohazard im Eiskeller. Hier tritt zum ersten Mal eine Band auf, die im Nightliner anreist, eigene Köche mitbringt und eine in dieser Höhe bisher unbekannte Gage erhält. Diskussionen um Kommerz, Sponsoring und die Aktualität von Hardcore werden laut.

Im Mai gibt es den ersten CEE IEH-Newsflyer. Er mutiert zunehmend zum Sprachrohr der Insel am Fluss, während der Little Sister SK8 Shop sich an einem ersten Skatecontest versucht.

Es kommen weitere musikalische Öffnungen. Neben den Stammgästen aus New York wie Sick of it all oder Leeway finden opulente Neuzugänge wie Neurosis, Blumfeld, Quicksand, Notwist, Zion Train, Chumbawamba, Lassie Singers, Stereo Total oder Cunnie Williams den Weg in die Koburger Straße.

1995

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1995 ist das Jahr der antideutschen bzw. antinationalen Politisierung. In Leipzig soll dem ehemaligen Bürgermeister und Antisemiten Goerdeler ein Denkmal gesetzt werden. In Dresden wird der Bombardierung der Stadt durch der Alliierten 1945 gedacht. Im Erinnerungsdiskurs werden Deutsche Täter mehr und mehr zu Opfern.
Mit der Parole "No Tears For Krauts" stören einige LeipzigerInnen die offiziellen Gedenkfeiern in Dresden. Die Antinationale Gruppe Leipzig (ANG) gründet sich und findet mit zielsicherer Polemik gegen Deutschland und seine Linke nicht nur FreundInnen in der Leipziger Szene.

Durch die bevorstehende Schließung des beliebten House- und Technoclubs Distillery kommt es im März nach einer nächtlichen Spontandemo zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die große Connewitzdemonstration gegen die "Leipziger Linie" und der darauf folgende BesetzerInnenkongress führt das Conne Island und den Rest der Szene vorerst das letzte Mal gemeinsam auf die Straße. Im Oktober kommt es nach einem Oi-Konzert zu einem heftigen Szenestreit, in dem nach dem Motto "Skinhead gleich Nazi" dem Conne Island die Anbiederung an die Faschoszene unterstellt wird.

Im Mai findet zum ersten Mal der Bike-Contest statt, der Jahrestag der deutschen Kapitulation wird unter dem Motto "Heute ist nicht alle Tage, heute ist die Niederlage!" mit einer Demo und im Könich Heinz gefeiert, der Saal wird umgebaut, die Bierpreise erhöht und die dem Conne Island nahestehende Fußballmannschaft "Leipzig Losers" gewinnt erstmals, nach jahrelangen Anstrengungen, den in Szenekreisen heißbegehrten Zapcup.

Im Laden zu Gast sind 1995 Godflesh, NOFX, M-Beat, The Notwist, Quicksand, Felix Da Housecat, Sheer Terror, Die Ärzte, Jeff Mills, Supertouch und Napalm Death.

1996

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Im Juni 1996 findet im Laden ein Benefiz mit Surrogat und Tocotronic für linksradikale Projekte statt. Die bis dato kaum vorhandene Skepsis gegenüber dem Subversionsmodell Pop verstärkt sich spätestens mit der Diskussionsveranstaltung "Mainstream der Minderheiten".

Im Herbst wird klar, dass Wurzen in Nazihand ist, gedeckt bzw. toleriert von Behörden, Polizei und Bevölkerung. Aus dem Offenen Antifaschistische Plenum gründet sich das Bündnis gegen Rechts (BGR) und setzt verstärkt auf Bündnispolitik mit der verbliebenen demokratischen Öffentlichkeit.
"Das Ende faschistischer Zentren, wie wir sie kennen", so das Kampagnenmotto, rückt den rassistischen Konsens der deutschen Bevölkerung in die Mitte der politischen Analyse. Ihren Höhepunkt findet die Aktion nach einer ausgedehnten Infotour durch deutsche Städte, wo der Rest der autonomen Linken aufgesammelt wird, am 19. November 1996 in Wurzen. Dort demonstrieren 6.000 Linke gegen den deutschen Normalzustand.

Der Infoladen zieht vom Zoro in die Koburger Straße, der Laden präsentiert sich samt Newsflyer auf der neuen Internetseite und die Gala-Crew entdeckt, dass zum ansonsten landschaftsgestalterischen Hedonismus auch kulinarische Genüsse gehören.

Musikalische Highlights des Jahres sind Marshall Jefferson, Into Another, Battery, Refused, Fettes Brot, Ignite, Whirlpool Productions, No Means No und Rockers HiFi.

1997

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In der Folge des großen Naziaufmarsches in München gegen die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht", drängen die Nazis verstärkt auf die Straße und es dauert eine Weile, bis es der Antifabewegung gelingt, neue Strategien zur Störung zu entwickeln. Antifaschistischer Protest wird auch in Saalfeld durch Polizei massiv behindert und gewalttätig aufgehalten.

Der Laden veranstaltet das erste Konzert mit Springtoifel, dem ein großes Kiezplenum und die Stellungnahme "Warum wir Oi!-Konzerte machen und diese auch verteidigen" folgen. Eine der Reaktionen aus der Szene ist die Gründung des Antifaschistischen Frauenblocks Leipzig (AFBL).

Die Konzertpreise im Conne Island steigen auf bis zu 18 DM an und ermöglichen u.a. den Genuss der MusikerInnen von 4 Heros, The Toasters, Red London, Dom & Roland, Patrick Pulsinger, The Meteors, Dmx Krew, Tocotronic, Station 17 und Agnostic Front.

1998

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In Vorbereitung auf den angekündigten Naziaufmarsch am 1. Mai in Leipzig schlägt man sich in Bündnisgesprächen mit den wankelmütigen GenossInnen vom DGB und Co. herum, bei denen immer klarer wird, wie sehr sie WegbereiterInnen und VertreterInnen der "Neuen Mitte" der "Berliner Republik" sind. Dann ist der 1. Mai 1998 in Leipzig. Vor dem Völkerschlachtdenkmal müssen tausende frustrierte KameradInnen im Polizeikessel mit ansehen, wie die Autonome Antifa den Nazi-Wahnvorstellungen von deutscher Arbeit, Disziplin und Ordnung mit einer Mischung aus Randale, Party und Chaos die Show stehlen.

Ladenintern bewegt ab Frühjahr 1998 ein ganz anderer Streit die Gemüter. Am geplanten Konzert der Oi!-Bands Lokalmatadore und Kassierer entbrennt eine Diskussion über sexistische Inhalte beider Combos, die sich schnell zum Vorwurf sexistischer Verfahrensweisen am Laden selbst ausweitet. Unterstützt durch die Forderungen von Frauen, die sich aufgrund der Auseinandersetzungen als Antifaschistischer Frauenblock Leipzig (AFBL) organisiert haben, werden in der Folgezeit zwar ein Diskussionsdefizit konstatiert und die Ladenstruktur auf das Manko fehlender Gleichberechtigung hin abgeklopft, an sich aber bleibt der Konflikt ungelöst und zieht sich in Ausläufern noch Jahre hin.

Für gute Stimmung im Saal sorgen in diesem Jahr Die Ärzte, Motorpsycho, Hellacopters, Asian Dub Foundation, Battery, Promise Ring, The Slackers, Fischmob und Roots Manuva.

1999

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Seit dem 1. Januar 1999 wird zur finanziellen Unterstützung von politischen Gruppen auf jede Eintrittskarte eine Spende, die so genannte "Antifa-Mark" erhoben. Ausgehend von der im Plenum geführten Strukturdebatte um politisch-kulturellen Anspruch und die strukturelle Funktionsfähigkeit entschließt man sich zu einem Novum. In Grethen beginnend wird das später jährlich durchgeführte Arbeits,- und Diskussionswochenende "Kretzschau" eingeführt.
An Hand der persönlichen Einschätzungen zum Ist-Zustand, die immer wieder sinkende Motivation zum Ausdruck bringen, bereitet man im ersten Jahr mittels einer Kurzdefinition der längst fälligen Neubestimmung des Conne Island-Selbstverständnisses den Weg:
1. Den Laden eint ein "Anti-Nazi-Konsens" 2. Das Conne Island ist ein multipler und multifunktionaler Laden 3. Es ist ein sozialer Ort unter explizit kulturellen und politischen Prämissen, wobei 4. die Kultur vom Politischen abhängig ist. Das kulturelle Angebot muß dabei über den Anti-Nazi-Konsens hinaus, der ja noch kein linkes Selbstverständnis einschließt, nach subkultureller Berechtigung und Aktualität, der spezifischen Situation in Leipzig und der Region und ihrer gesellschaftskritischen Ausrichtung an sich, hinterfragt werden. Bei den Diskussionen der letzten Jahre verstärkt sich hingegen der Eindruck, dass sich die einstmalige Vorreiterrolle des Ladens mit der Entpolitisierung der gesamten Popkultur verliert, ja sich das Conne Island immer noch als eine Art Relikt vergangener Zeit präsentiert, was unserer Selbsteinschätzung natürlich keinen Abbruch tut, dass wir, wenn schon der letzte linke Laden dieser Größenordnung, dann auch der beste sind.

Musikalisch tut das Conne Island dennoch sein Bestes: Kemistry & Storm, Mad Professor, Hans Nieswandt, Plaid, Turbo A.C's und the Beatsteaks.

Gemeinsam mit Antifagruppen und Einzelpersonen wird im Herbst 1999 auf dem "Verstärkerkongreß" über Nazidominanz in öffentlichen Räumen, kulturelle Hegemonie und Möglichkeiten linksradikaler und antifaschistischer Strategien diskutiert. Dabei wird sich eingestanden, dass die Kongresspraxis dem schwächelnden Ist-Zustand der Linken nicht viel mehr als den Raum bietet, verbleibende Interventionsmöglichkeiten perspektivisch zu diskutieren. Dass gesellschaftskritisches Engagement nicht unbedingt belohnt wird, zumindest wenn es sich indirekt gegen die eigenen Mäzene richtet, dem sah sich der Laden bereits ein paar Monate früher ausgesetzt. Der Vorwurf, der Verein rufe zur Gewalt gegen die städtische Ehrung des ehemaligen Stadtoberhaupts Goerdeler auf, führt Mitte 1999 zur vorübergehenden Stornierung der Fördermittel durch den Oberbürgermeister Tiefensee persönlich.
Die andere Seite der Medaille Stadtpolitik wird zeitgleich verdeutlicht, indem beharrlich ignoriert wird, dass in Grünau mit dem "Kirschberghaus" ein eigenes Nazizentrum unterhalten wird. Die LVZ wagt unterdessen den Vergleich "Conne Island" gleich "Kirschberghaus". Begrüßenswerte Unterstützung erfolgt durch jüngere Jahrgänge, allen voran die zweitweise Anbindung des Fußball-Kreisklassenschrecks Roter Stern samt seines großen FreundInnenkreises. Je nach Zählung kann nun von der vierten Generation am Laden berichtet werden. Auf der Suche nach Räumlichkeiten stößt auch das Antifaschistische Schulnetz (ASN) auf den Laden, aus deren Umfeld sich mit der Zeit eigene Inhalte und Gruppierungen entwickeln.

2000

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Die Beziehungen zur Connewitzer Szene werden hingegen im Sommer 2000 wieder einmal auf eine harte Probe gestellt. Anlass ist die im Werk II veranstaltete Popkulturmesse "Neue Beiträge zur Deutschen Popkultur". Die Kritik, die vom Conne Island am Ort des Geschehens vorgetragen wird, entzündet sich vorrangig daran, dass sich die FestivalveranstalterInnen nicht entblöden, im gesamtgesellschaftlichen Kontext neuer und alter deutscher Vaterlandsliebe und rassistischer Alltagskultur das scheinbar unscheinbare Wörtchen "deutsch" mit in den Festivaltitel aufzunehmen.
Kritik wird auch geübt, als es im Herbst 2000 heißt: "Save the Resistance! Gegen Überwachungsgesellschaft und Sicherheitswahn!" Der bundesweiten Demonstration in Leipzig geht die Law- and Order-Mentalität der Stadt Leipzig voraus, die nicht nur in Connewitz versucht, mittels Kameraüberwachung, Polizeikontrollen und weiteren Schikanen, die Szene zu kriminalisieren und ihrer bundesweiten sicherheitspolitischen Vorreiterrolle gerecht zu werden. Eine Woche voller Demonstrationen am Connewitzer Kreuz und in der Innenstadt kann zwar den partiellen Abbau der Kameras als Erfolg verbuchen, der zügig voranschreitenden Entwicklung hin zur Überwachungsgesellschaft sieht man sich jedoch weiterhin ausgesetzt.

Bei aller Kritik muss auch ein bisschen Party sein und die haben wir 2000 nicht nur mit dem Auftakt der alljährlichen Sunshower-Sommerparty, sondern auch mit DJ Krust, MC Dynamite, Angelic Upstarts, Mad Sin, Snapcase, Avail, Zion Train, Spirit Caravan, Sissies & Beaver und Sonar Kollektive.

2001

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Während das Conne Island 2001 musikalisch mit weiteren hochkarätigem Acts wie Sick of it all, Discipline, Lali Puna, Egoexpress oder Britta aufwarten kann, wird der Laden wieder einmal im Angesicht neuer politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen auf harte Proben gestellt.
Im Conne Island Newsflyer kommt es zu langen Diskussion um das generelle Konzept Antifa. Während die einen der scheinbar handlungsfähigen Praxis nicht abschwören wollen, betonen die anderen umso deutlicher die Unvereinbarkeit von Kritik und praktischer Politik. Die radikale Linke befindet sich nicht nur in Leipzig am Anfang eines langwierigen Spaltungsprozesses. Das Conne Island feiert etwas steif unterdessen sein 10jähriges Bestehen und hinterlässt bei Außenstehenden den Anschein, ein 15jähriges nicht erleben zu wollen.

Am 1. September 2001 versucht die Leipziger Post-Antifa, weiterhin ihre Handlungsfähigkeit zu beweisen. Am Rande eines Naziaufmarsches stört die radikale Linke unter dem Motto "Deutschland den Krieg erklären" den zivilgesellschaftlichen Aufstand der Stadt gegen Rechts auf dem Augustusplatz.
Weiterhin wird im selben Jahr nach einer parlamentarischen Anfrage im sächsischen Landtag bekannt, dass die Staatsanwaltschaft ein Jahr lang gegen die linke und alternative Szene in Leipzig nach §129 ermittelte.

Die Anschläge von 9/11 sind auch innerhalb der Linken bis heute Startschuss für Spaltungen und mühsame Diskurse. Der reflexartigen Schadenfreude und dem Verständnis für den Terror Vieler, soll - oftmals vergebens - eine klare Analyse entgegengestellt werden. Für das Conne Island bedeutet dies den Anfang einer Konfrontation mit antiamerikanischen und antizionistischen Auswüchsen und Stimmungen von Bands und deutschem Publikum, deren Interventionsmöglichkeiten begrenzt scheinen.

Was man unter anderem beim Propagandhi-Konzert sehen kann. Andere alte und neue Gäste des Jahres sind Operation Pudel, Egoexpress, Broilers, Hot Water Music, The Business und Leatherface.

2002

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Das Jahr 2002 beginnt mit einem Kulturstreik der gesamten "freien Szene", um gegen Kürzungen von Geldern der Stadt ein Zeichen zu setzen. Der komplette erste Monat des Jahres bleibt "kulturfrei".
Aus InitiatorInnenmangel erscheint die letzte Ausgabe des Szenemagazins KLAROFIX und steht exemplarisch für die Orientierungssuche der Linken in Leipzig.
Auch das Palituch muss sich vom Conne Island verabschieden. Das Verbot von Palästinensertüchern im Conne Island wird aufgrund antizionistischer Stimmungen in Deutschland durchgesetzt. Der Beschluss stößt nicht nur in der Leipziger Szene auf Unverständnis und führt zu kontroversen Diskussionen in Internetforen, an Stammtischen und auf diversen Plena.

Trotz der politisch aufgeheizten Stimmung kann der Laden auch 2002 wieder punkten: mit Bands wie Tocotronic, Karate, Farin Urlaub, Planet Asia, Terrorgruppe, Sofa Surfers und Boy Sets Fire. Das 10jährige Bestehen der Miniramp wird gefeiert und das erste Oi! - The Meeting findet mit Punks und Skins aus ganz Europa statt.

2003

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Das Jahr 2003 soll für den Eiskeller eines der ereignisreichsten Jahre hinsichtlich eigener politischer Verortung und Wirtschaftlichkeit bedeuten.
Die USA marschieren Anfang des Jahres in den Irak ein und die Deutschen entdecken plötzlich ihre tiefe Liebe zum Frieden wieder. Während fünf Jahre zuvor der erste Angriffskrieg der Nato unter deutscher Beteiligung in Ex-Jugoslawien noch kritiklos kaum zur Kenntnis genommen wurde, schmückt nun jeder dritte Balkon und Fenstersims eine meist regenbogenfarbige PACE-Fahne. Im Einklang mit der deutschen Bundesregierung wird so und auf der Straße mit hunderttausenden Menschen vor allem gegen Amerika demonstriert.

Als Reaktion auf das eigene Publikum entschließt sich das Plenum nach langen Diskussionen zur Veröffentlichung des Papiers "No Volksmusik! No Antiamerikanismus!" und erntet erneutes Unverständnis und entfacht erhitzte Gemüter.

Das von uns gebuchte Konzert mit der Elektropunkband Mia wird nach der Veröffentlichung ihres Liebesliedes an die schwarz-rot-goldene Nation kurzerhand wieder abgesagt. Dieses Beispiel eines neuen modernisierten Nationalismus im popkulturellen Gewand fordert eine weitere Stellungnahme des Ladens und erfährt diesmal großes, positives Feedback aus bundesweitem politischem und kulturellem Milieu.

Währenddessen kommt der zonale Größenwahn in Leipzig so richtig in Schwung. Leipzig bewirbt sich für die Olympischen Spiele 2012 und kommt vorerst in die zweite Runde. Das Antiolympische Komitee versucht mit Aktionen, dem hiesigen Freudentaumel etwas entgegen zu setzen. Überwachung, Kürzung von Geldern in sozialen Bereichen, Stadtsäuberungswahn und andere imagetreue Maßnahmen würden unübersehbare Spuren und Einschnitte bedeuten. Was dies in puncto sauberes Stadtbild heißen kann, zeigt die Stadt im selben Jahr und startet eine Antigraffitikampagne. Eine legale Fläche, die so genannte "Wall of Fame", wird den SprüherInnen entzogen und die Lokalpresse hetzt fleißig gegen "Narrenhände". Die Sprüher-Szene antwortet auf Kriminalisierungsversuche kreativ und entdeckt spontan jede Wand und jede Fläche der Stadt als "Meine Wand".

Prekär wird es für das Conne Island am Ende des Jahres, als der große Streit mit dem Finanzamt um die Gemeinnützigkeit ausbricht. Der Laden ist damit in seiner Existenz bedroht. Mit vier sonntäglichen Demonstrationen samt mehreren hundert SympathisantInnen auf der Straße und einem Spontanbesuch beim Finanzamt geht der Streit zu Gunsten des Eiskellers aus. Nach dem legendären Schnipselwust im Amt steht auch der Weihnachtsmarkt kurz vor der Plünderung: Hände weg vom Conne Island!

Neben dem ersten Ladyfest in Leipzig gibt es Live-Musik von den Goldenen Zitronen, International Pony, Biohazard, Lee "Scratch" Perry, Blumfeld, Turbostaat, Kings Of Nuthin und wie überraschend: Springtoifel.

2004

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2004 gründet sich das Bündnis gegen Antisemitismus. Anlass dafür gibt die Klage von AnwohnerInnen des Waldstraßenviertels gegen den geplanten Ausbau eines jüdischen Begegnungszentrums. Die Klage wird glücklicherweise abgewiesen. In Sachsen zieht im selben Jahr die NPD in den Landtag ein. Die Gründung der Gruppe LeA läutet in Leipzig ein Antifa-Revival. In der Anfangszeit wird vor allem den allmonatlichen Worch-Aufmärschen begegnet.

Im Conne Island entsteht derweil ein neues Projekt, welches ganz im Zeichen eines multimedialen Zeitgeistes funktionieren soll: Das Internetradio Radio Island. Frischer Wind einer neuen jungen Generation ist im Umfeld des Ladens zu erahnen. Die SUNSHOWER, als alljährige Sommerparty des Conne Island erfreut sich immer größerer Beliebtheit und mit Electric Island startet eine neue Veranstaltungsreihe, die nach Drum&Bass den Club im Club zu reformieren versucht. Die Toten Hosen rocken zwei Tage hintereinander im Eiskeller.

2004 wird unter politisch diffusen und wirtschaftlich erschwerten Bedingungen immer noch versucht, den Kulturalltag am Laden möglichst exklusiv zu gestalten. Neben Mouse on Mars geben sich Acts wie Bambix, Bahamadia, Dawn Penn, Kante, Sly & Robbie oder auch Mocky die Bühne in die Hand. Im Sommer findet das Ladyfest statt.

2005

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In Dresden finden am 13. Februar 2005 die Gedenkfeierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Bombardierung Dresdens statt. Die Reste der radikalen Linke stehen ohnmächtig zwischen weinenden BürgerInnen und 5000 marschierenden Neonazis.

Als Reaktion auf den erstarkenden nationalen Rollback in der Popkultur gründet sich die Initiative "I can't Relax in deutschland". Ein Buch mit Sampler wird veröffentlicht und bundesweit vorgestellt.

Weiterhin holt sich das Conne Island für das Jahr 2005 ganz besondere Perlen ins Haus. Drum'N&Bass-Gott Goldie samt Super-DJ Storm beglückt schwitzende Leiber und die HipHop-Legende De La Soul erfüllt die heiligen Hallen mit Anmut. Und dann spielen da unter anderem noch La Vela Puerca, Rise Against, Clueso, Oma Hans, T.Raumschmiere, London Elektricity und The Locust. Und das zweite Oi! The Meeting geht an den Start.
Doch nichts ist umsonst: Der Laden hebt mal wieder die Preise, auf Seiten der BesucherInnen sinkt das Budget. Hartz IV machts möglich. Intern sorgt der im Laden unliebevoll genannte "Generationswechsel" für hitzige Strukturdebatten und Diskussionen.

2006

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Die Kampagne "Kick Control" darf noch einmal gegen Sicherheitswahn im Zuge der Weltmeisterschaft demonstrieren, bevor durch König Fußball Deutschland und selbst das Conne Island im schwarz-rot-goldenen Freudentaumel versinkt.

Alle sind plötzlich Fußballfans - alle sind für Deutschland - alle dürfen sich endlich wieder unverkrampft freuen. In weiser Vorausicht löst sich nur Wochen vorher eine der wichtigsten politischen Gruppen in Leipzig, das BGR, auf, und kann sich glücklich schätzen, nicht mehr auf diesen vierwöchigen Spuk politisch reagieren zu müssen. Für die kommenden Turniere entscheidet sich das Conne Island, die Spiele der deutschen Fußballmannschaft im Conne Island nicht zu übertragen.

Das 15jährige Jubiläum des Ladens wird groß gefeiert, wie es sich gehört mit einer Veranstaltungsreihe zu Kritischer Popkultur, mit Blumfeld, der Band Shai Hulud und einer szenischen Lesung von Thomas Ebermann, Schorsch Kamerun, Rocko Schamoni und Frank Spilker. Den Rest des Jahres beglücken uns Guru, Kurtis Blow, Carl Craig, Bela B., Grooverider, Underdog, Shai Hulud, Krs One, Perkele und Parkway Drive.

Um die Ausführungen von Manfred Dahlmann zu Etikett "Antideutsch" führt das CEE IEH mit der Jungle World und der Bahamas eine breite Debatte. Zugleich ist zu beobachten, dass viele Diskussionen innerhalb der aufgespaltenen linken und postlinken Gruppenlandschaft immer weniger öffentlich geführt werden. Sie finden mehr und mehr personalisiert im semiöffentlichen Raum, also auf Mailinglisten, Blogs und im Privaten statt. Begriffe wie Rassismus, Islamismus, Sexismus und Konzepte wie Antirassismus und Antifaschismus werden dabei fundamental unterschiedlich verstanden. Dies verstärkt die inhaltlichen Gräben und eine gemeinsame politische Praxis ist nur noch partiell möglich, wenn überhaupt gewollt.

Die Veröffentlichung "politischer Mindeststandards gegen linken Antizionismus" durch die Gruppe LeA zeigt, wie präsent die Debatte um Israelsolidarität, Antisemitismus und Antizionismus in der Linken weiterhin ist. Immer wieder kommt es auch zu gewalttätigen Angriffen auf israelsolidarische Leute bei antifaschistischen Demonstrationen oder auf Veranstaltungen.

2007

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Das Jahr 2007 beginnt mit der Auseinandersetzung um die Ausstellung "Flucht, Vertreibung, Integration" im Zeitgeschichtlichen Forum und mit einer Veranstaltungsreihe von AFBL und LeA zum Thema Vertreibung.
Nach langen Jahre trifft sich das bundesweite Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF) wieder im Laden und während Wolfgang Clement die sog. "Unterschicht" entdeckt, feiert die linksliberale israelische Tageszeitung Ha'aretz in einem Artikel "the good men of leipzig" und macht dabei die Skinheads Leipzig zur kommunistischen Workingclass.

Im Rahmen der Buchmesse liest Gerhard Scheit im Conne Island und lässt uns Rocko Schamonie vor ausverkauftem Haus mit "Dorfpunks" an seinem Leben als Punker in der westdeutschen Provinz teilhaben. Wie ein erst kürzlich wiederentdecktes Video aber beweist, hat auch King Rocko im Conne Island vor ganz kleinem Publikum angefangen. Um so herzlicher ist seither die Verbindung zum Laden.

Während sich die Hardcore-Szene seit einiger Zeit um die Wiederbelebung der Kampagne "Good Night White Pride" bemüht, beginnen Repression gegen das Symbol der Kampagne. Aber allein schon das durchgestrichene Hakenkreuz reicht aus, dass gegen Leute und Versände Anzeigen gestellt werden. Als Reaktion versucht die Kampagne "Let's fight white pride" eine neuerliche Sensibilisierung der Hardcore-Szene gegenüber rassistischer Vereinnahmung. In etwas vorauseilenden Gehorsam wird dafür auch ein neues Logo entworfen.

Im Juni feiert der AFBL als nun dienstälteste Politgruppe ihren 10. Geburtstag und wird sich auch in den kommenden Jahren mit Antifaschismus, Antisexismus, islamkritischer und antirassistischer Arbeit gegen den Mainstream z.T. auch des Conne Islands stellen.

Gemeinsam mit der Cinematheque gibt das Sommerkino 2cl auf dem Freigelände des Ladens seinen Einstand und bereichert fortan die veranstaltungsarmen, aber mückenreichen Sommerabende.

Die Hetzjagd auf MigrantInnen in Mügeln lenkt im August das bundesweite Medieninteresse und die politische Arbeit von Antifagruppen, auf den rassistischen Alltag in der sächsischen Provinz. Im Herbst bekommt Leipzig vorübergehend einen eigenen Thor Steinar-Laden, der noch vor der Eröffnung verschönert wird. Erstaunlicherweise kommen zur Demonstration gegen das "TØNSBERG" am 3.10. ca. 2500 Leute. Der Tag der Deutschen Einheit oder der 9. November erfahren bei weitem nicht so viel Resonanz, so dass in den folgenden Monaten eine intensive Diskussion über die Rolle und Notwendigkeit von antifaschistischer Politik geführt wird.

Eine Woche später nutzt die Polizei einen Vorwand, um im Conne Island eine Hausdurchsuchung durchzuführen. Die vier Beamten, die zum Donnerstagsbrunch mit Durchsuchungsbefehl auftauchten, kopierten jedoch nur einen Lohnzettel und verschwanden wieder.

Kulturpolitisch mischt sich der Laden mit der Veranstaltungs- und Workshopreihe "Amplify" ein und interveniert mit "Argumenten und Aktionen gegen das Verschwinden kultureller Wahrnehmung aus dem öffentlichen Raum." In einen Kooperatior mit der Künstlergruppe niko.31, der Galerie für Zeitgenössische Kunst, der Leipziger Initiative gegen Überwachung und den StudentInnenrat sowie dem Geld der Kulturstiftung des Freistaates wird das Stadtbild mehrfach neu gestaltet.

Im November stand wie jedes Jahr natürlich das Sehen-und-Gesehen-Werden beim Subbotnik an, und nicht zu vergessen der dazugehörige, hochgeschätzte Wurstgulasch.

Die Konzerthighlights 2007 sind Gorilla Biscuits, Skream, The Whitest Boy Alive feat. Erlend Øye, Beatsteaks, Fettes Brot, Telefon Tel Aviv, Oi! The Meeting, De la Soul, 4, Miss Kittin and the Hacker, Heaven Shall Burn und Unseen.

2008

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2008 startete die kleine, aber feine Musikreihe Postland, die unaufgeregt gitarrenaffine Bands präsentiert, die nicht so recht in subkulturelle Schubladen passen. Den Anfang machen The Chap und Diario.

Im Leipziger Osten kommt es zu Überfällen der "Freien Kräfte" auf vermeintliche Linke und zu einem Angriff auf ein Wohnhaus. Zeitgleich baut die NPD in der Odermannstraße 8 eine Immobilie zum neuen Nazizentrum aus. Auf die Vereinsräume des Roten Stern Leipzig, in einem Wohnhaus der Connewitzer Wohngenossenschaft wird im April ein Brandanschlag verübt, dabei wird der benachbarte Gardinenladen durch ein Molotovcocktail zum Glück nur leicht beschädigt.
Als im Herbst bekannt wird, dass in Reudnitz ein Kind entführt wurde, initiieren und dominieren organisierte Neonazis eine wochenlange Kampagne unter dem Motto "Todesstrafe für Kinderschänder", der sich zunächst auch viele BewohnerInnen des Viertels anschließen. Es folgen einige Antifaaktionen und die Gründung der Bürgerinitiative Buntes Reudnitz und das Jugendzentrum Atari entsteht.
Im November verüben Neonazis einen Brandanschlag auf das Komm-Haus, einem Stadtteilzentrum in Grünau, in dem sich auch die Bürgerinitiative "Buntes Grünau" trifft.

Die Zunahme von Anti-Naziaktivitäten in Leipzig befeuert zugleich die laufende Diskussion um Antifaarbeit als politisches Konzept, wie sie ähnlich Ende der 90er unter der Headline "Kritik der Antifa - Der große Radikalinskischwindel" schon einmal geführt wurde.

Wohl zum Missfallen des Schirmherren Stanislav Tillich wird das Conne Island für den sächsischen Demokratiepreis nominiert. Der sächsische Innenminister nimmt fast zeitgleich sogar die Aufregung um den sog. Diskokrieg zum Anlass, um mit der Rede von sog. "Rechtsextremisten" und "Linksextremisten" die Arbeit von ihm politisch unliebsamen linken und alternativen Projekte zu delegitimieren. Dagegen verfasst die Gruppe INEX einen offenen Brief mit dem Titel "Gegen jeden Extremismusbegriff - Linke, antifaschistische Politik und Kultur sind nicht "extremistisch", sondern extrem wichtig!". Das Thema findet seither breite bundesweite Aufmerksamkeit. Die Notwendigkeit der sich anschließenden Kampagne zeigte sich auch jüngst beim Versuch der Staatsregierung, die Förderung von antirassistischen und Antinaziprojekten per Extremismusklausel zur Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz zu verpflichten.

Obwohl die Band schon mehrfach im Conne Island gespielt hatte, sorgte das geplante Konzert zum 10jährigen Bestehen der Skinheadband Stomper 98 für bundesweite Aufregung. Nachdem im Internet ein Foto eines Bandmitglieds mit einem Nazi und ein 79seitiges Dokument mit dem schönen Titel "Rotes Hetzpamphlet" aufgetaucht waren, entbrannte die Diskussion um vermeintlich rechte Skinheadkonzerte im Conne Island. Das Montagsplenum schob Sonderschichten, offene Briefe, geheime Emails und persönliche Beleidigungen wurden ausgetauscht, graue Eminenzen meldeten sich aus Berlin und gegen das Conne Island wurde Boykottdrohungen ausgerufen. Am Ende bekannte sich die Band zu den antirassistischen Wurzeln der Skinheadbewegung, wobei das einige nicht für wirklich glaubwürdig hielten. Dennoch feierte die Band ihren Geburtstag im Laden und gab im Nachgang ein Interview in der TAZ.

Im September gibt der Stadtrat einer Zentralen Forderung der freien Szene nach und beschließt die schrittweise Anhebung der Förderung auf 5% des Kulturetats. Im folgendem Jahr wird der Anteil allerdings bei 2,5% eingefroren. Das könnte wohl auch mit der gleichzeitigen Finanzkrise begründet worden sein. Und um diese zu erklären, veranstaltete das Conne Island mit dem Bündnis gegen Antisemitismus und dem Stura der Uni Leipzig eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Kritik und Krise"

Und ganz nebenbei sorgten Kode 9, Editors, Shackleton, Isis, Chuck Ragan, Black Milk, Jacques Palminger, Pöbel & Gesocks, F.S.K., Lambchop, The Adicts, We Are Scientists und Bring Me The Horizon im Laufe des Jahres für gute Stimmung im Saal.

2009

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Als Ultras von Chemie setzen sich neben und mit dem Roten Stern die Diablos gegen Rassismus und Diskriminierung im Stadion ein. In den vergangenen Jahren sind sie darüber Stück für Stück auch den Conne Island näher gekommen. Im Januar 2009 wurden sie aufgrund ihrer antifaschistischen Ausrichtung zur Zielscheibe von Neonazis und rechten Hooligans.

Im Juni zieht die NPD mit zwei Mandaten in den Stadtrat von Leipzig ein (mit 14.544 Stimmen = 2,9% der Stimmen).

Bereits bei Erscheinen Ende 2008 knickt die Stadt Leipzig vor der LVZ ein und fordert Gelder aus dem lokalen Aktionsplan zurück. Anlass ist diese Postkarte, die in einem Conne Island-Projekt entstand und in der Stadt verteilt wurde. Statt sich inhaltlich mit - Rassismuskritik, Monopolstellung der LVZ und deren tendenziöser Berichterstattung gegen MigrantInnen auseinanderzusetzen, folgte die Fachstelle "Extremismus und Gewaltprävention" 1 zu 1 der Intervention der LVZ. Ein besseres Beispiel zum Thema Monopolstellung und den Umgang mit KritikerInnen an Stadt und LVZ hätte es nicht geben können. Das Geld musste schlussendlich nicht zurückgegeben werden.

Im Frühsommer wird bekannt, dass sich ein Nazi den Begriff "Hardcore" rechtlich schützen lassen will. Zahlreiche Interventionen und Löschungsanfragen wie die der Kampagne "Lets fight white pride" konnten dies allerding rückgängig machen.

Die popkulturelle Öffnung des Centraltheaters verhilft Leipzig in dieser Zeit zu einem Hauch von Urbanität. Gegen die Logik des gegenseitigen monetären Fressens und Gefressenwerdens begrüßt das Conne Island öffentlich diese Entwicklung. Dies bedeutete allerdings auch, dass wir uns so manche potenzielle Conne Island-Show in den weichen Theatersesseln ansehen mussten. Doch weiterhin dem Charme des Punkerschuppens, dem guten Conne Island-Essen und der eigenen Geschichte erlegen spielten z.B. Tocotronic und die Goldenen Zitronen etwas später dann doch wieder im Conne Island.

Nach 15 Jahren Bandgeschichte gibt Full Speed Ahead ein unvergessenes Abschlusskonzert. Und damit auch unvergessen bleibt, wie alles begann und endete, gibt es hier einen kleinen Eindruck.

Anlässlich der 20 Jahre-Wiedervereinigungsfeiern demonstriert der Arbeitskreis 2009 unter dem Motto "Still not lovin' Germany" am 10. Oktober 2009 in Leipzig.

Im Oktober werden in Brandis Roter Stern Fans von Nazis angegriffen und lösen damit eine bundesweite Symphatiewelle für den linken, nach Selbstbekunden nun Familienfußballverein, aus.

Eine Woche später verhindert erstmals der Leipziger Polizeichef eine bundesweite Nazidemonstration und bedient sich dabei der Zivilgesellschaft und auch der Antifa.

Weitere musikalische Highlights des Jahres sind ohne Zweifel Intro Intim, Calexico, Moderat, The Bug, Mouse on Mars, Darkest Hour, Friska Viljor, Ghostface Killa, Fucked Up, Mala und die 6 Jahre It's Yours Party und der alljährliche Skatecontest.

Im Jahr 2009 wurde auch das Montagsplenum enthierarchisiert, eine rotierende Redeleitung soll da weiterhelfen. Nach langjährigem Generationenkonflikt verlassen Booker und Koch den Laden und ein erster Kriterienkatalog und feste Regeln für Stellenvergaben werden eingeführt.

Besonders fehlt uns seit dem Sommer der langjährige Mitarbeiter Peter, der viel zu früh und plötzlich starb.

2010

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2010 veröffentlicht der Conne Island Arbeitskreis "Geschichte Vermitteln" seine Broschüre zu "Geschichtsbildern jüdischer MigrantInnen aus der ehemaligen Sowjetunion in der BRD und in Israel" und setzt seine Arbeit in der Folge u.a. zum Thema Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus fort.

Als das israelische Militär die sog. Gazaflotille gewaltsam stoppen muss, kommt es auch in Leipzig zu antiisraelischen Demonstrationen. Dem begegnete das Bündnis gegen Antisemitismus mit einer Kundgebung unter dem Motto "Free Gaza from Hamas - Gegen die Auslandseinsätze der Linkspartei!". Protestiert wurde vor allem gegen die Zusammenarbeit und Sympathie mit islamistischen Organisationen und die Delegitimierung Israels.

Dass das Conne Island es tatsächlich mal bis in die New York Times schaffen würde, wäre zur Gründung des Laden wohl niemanden in den Sinn gekommen. Und so wurde unser verrufener extremistischer Autonomentreffpunkt plötzlich auch für die LVZ zum Aushängeschild der Stadt.

Nach dieser internationalen Anerkennung erschütterte ein mehrmonatiger Plenumsmarathon kulturelle und politische Gewissheiten. So kam ein Konzert mit der Band Maroon nicht zustande. Dies war aber nicht einer neuerlichen Diskussion um regressive Formen des Veganismus geschuldet, sondern lag an der Vorliebe des Bandleaders zu Esoterik und rechtem Neofolk.
Fast zeitgleich wurde sich darüber gestritten, ob der Sänger der Band Suffer Survive, ob seiner gewalttätigen und rechten Vergangenheit, im Conne Island eine Bühne finden dürfe.
Die weitaus gewichtigere Diskussion entspann sich jedoch um das Nichtzustandekommen einer Veranstaltung des Bündnis gegen Antisemitismus mit Justus Wertmüller. In derem Verlauf kam es zum Bruch mit einem Teil des politischen Ladenumfeldes. Die Bruchlinie hatte sich dabei in der Vergangenheit schon öfter angedeutet. Das Fehlen einer einenden inhaltlichen Klammer, die bis auf persönliche Beleidigungen zugespitzte, fehlende Diskussionskultur und eine bundesweite Ausweitung der Auseinandersetzung machten eine Einigung unmöglich. In der Folge trat auch die Redaktion des CEE IEH-Newsflyers zurück. Das Island verabschiedet sich auch vom sich auflösenden Radio Island und die Tickets per Post gehören auch der Vergangenheit an.

Musik 2010 gab es von Saint Vitus, Madball, Agnostic Front, Mouse on the Keys, Goldene Zitronen, Xiu Xiu, Terror, Tocotronic, Modeselektor, Panteon Roccoco, Caliban, Feindrehstar, Kele, MF Doom, Modeselektor, Shrinebuilder, Blood Red Shoes und nicht zu vergessen das "20 Years Hardwax"-Special.

2011

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Jan Eisfeld von den Beginnern hat den baulichen Zustand des Conne Islands in einem Interview so beschrieben: "Wahrscheinlich werden wir hierher nicht noch mal kommen. Weil hier kein Strom funktioniert, alles durchgeraucht ist, jede Schraube fehlt und allgemein alles im Arsch ist. Wir müssen hier deswegen unsere Produktion, unsere Bühnenbild fast komplett weglassen. Das macht dann einfach keinen Spaß mehr, hier zu spielen, wenn man sich derbe Gedanken für eine derbe Show gemacht hat und letztlich alles an den Bedingungen vor Ort scheitert". Nach langen Jahren hat das wohl auch die Stadtverwaltung in Leipzig erreicht und so begann Anfang 2011 die komplette Renovierung des Vorderhauses, dessen Wiedereröffnung heute gefeiert werden kann.

Nach millionenfacher Handydatenauswertung durch die Staatsanwaltschaft Dresden, nach Protesten gegen den bis dato größten Naziaufmarsch in Europa, am 19. Februar kommt es in ganz Sachsen zu Hausdurchsuchungen bei vermeintlich, kriminell vereinigten Gewalttätern, unter ihnen der Jugendpfarrer von Jena. Damit wird bekannt, dass mal wieder gemäß dem § 129 gegen eine breite Szene ermittelt wird.

Zeitgleich will die Staatsregierung die Fördermittelvergabe an zivilgesellschaftlichen Initiativen neben anderen Kriterien an deren Unterschrift unter die sog. Extremismusklausel knüpfen. In Leipzig stößt diese Forderung auf breite Ablehnung. Soziokulturelle Zentren und Vereine verweigern die Unterschrift und die Begleitausschüsse der Stadt Leipzig zur Vergabe der LAP-Mittel folgen dieser Linie.

Im De:Bug-Leserpoll schafft es das Conne Island in die Top 10 der Kategorie "Club". Der Grund dafür sind die am Laden inzwischen tief verwurzelten Sparten elektronischer Clubkultur wie House, Techno, Dubstep, Drum&Base und aller Spielarten dazwischen. Für alle, die noch nie dabei waren, gibt es hier einen kleinen Eindruck: ...

Mit etwas Verzögerung ist mit der Radale das subkulturell aufgewertete Fahrradfahren, aus San Francisco und der Lower Eastside im Conne Island angekommen. Und mit Hercules and Love Affair war New York auch musikalisch zu Gast. Etwas bierseeliger, aber nicht minder herzerwärmend war der Auftritt der alten Recken von Cock Sparrer.

Musik 2011 gab es sonst noch von Mala, Pennywise, Peter Pan Speed Rock, Zen Zebra, Casualities, Real McKenzies, Cooly G, Bodi Bill, Austra, Boy Sets Fire und Neurosis.

Und damit sind wir angekommen im 20 Jahre Conne Island-Jubiläumsmonat. Der wurde inoffiziell beim Electric Weekender eingeleitet und wem der Muskelkater vom Tanzen noch nicht gereicht hat, der oder die hat ihn sich beim 20 Jahre Conne Island-Fußballturnier mit Sicherheit geholt.

Nachdem der 10. Geburtstag etwas verhalten gefeiert wurde, das 15 Jahre Conne Island-Jubiläum ein rauschendes Fest war, sind 20 Jahre nun schon genug, um die eigene Geschichte zu schreiben. Das Buch dazu wird im Anschluss vorgestellt und gefeiert wird bescheiden einen Monat lang. Dabei wünschen wir Euch viel Spaß und danke für Eure Aufmerksamkeit!


Redaktionsschluss: August 2011. Die Diashow wurde am 08.09.2011 zur Eröffnung der 20-Jahres-Feierlichkeiten live präsentiert.


Gefördert durch den Lokalen Aktionsplan Leipzig.



15 Jahre Conne Island www.conne-island.de